50 Jahre danach....

Jubiläumsveranstaltungen des Alexandra-Freunde e.V. zum 50. Todestag der Sängerin, Texterin und Komponistin

Bericht: Barbara Beu
Fotos: Copyright ©2019 Barbara Beu, Jürgen Schlickeisen

Es ist schon bewegend, mit welcher Anteilnahme die Sängerin Alexandra 50 Jahre nach ihrem tragischen Unfalltod in der Öffentlichkeit bedacht wurde. Presse- und Rundfunkberichte erschienen in der ganzen Bundesrepublik. Ein Einschalten des Radios, und schon war in irgendeinem Sender etwas über sie zu hören, das Fernsehen hielt nicht nach. Dieser 31. Juli, 50 Jahre danach, hat unseren so verehrten Star mit einer der kürzesten Gesangskarrieren erneut "auf-leben" lassen.

Für unseren Verein mit einer neuen Zusammensetzung des Vorstands bedeutete dieses Datum natürlich eine besondere Herausforderung angsichts der Erwartungen, aber im Nachhinein ist festzustellen, dass alle drei Events fast reibungslos und ohne größere Pannen über die Bühne gingen. Das öffentliche Interesse in Hamburg und vor allem auch am Unfallort in Tellingstedt war außergewöhnlich.

Wolfgang Rostek an der Gedenktafel

 

An einem sonnigen und nicht zu warmen Samstag, dem 03. August, trafen sich nach der Mitgliederversammlung alle Interessierten als erstes in Hamburg-Rothenburgsort. Dort ist am ehemaligen Wohnhaus von Alexandra – sie lebte dort acht Jahre lang und eben auch die meiste Zeit ihrer Karriere als Sängerin – vor drei Jahren eine Gedenktafel angebracht worden. An dieser Stelle begann die Rede des ersten stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins, Wolfgang Rostek.

Marc Boettcher und Uwe Otte

 

Aus Berlin war Buchautor, Filmemacher und einziger Biograf der Sängerin, Marc Boettcher, angereist. Er kam nicht allein, sondern mit seiner Produktionsleiterin sowie Uwe Otte und dessen Frau. Uwe Otte, ein Zeitzeuge Alexandras, der damals die Russlandtournee mit Hazy Osterwald organisiert hatte.
Für die Fans brachte Marc Boettcher ein gerade fertig gewordenes, fast noch nicht trockenes Bild des Künstlers Saxa mit, der mit den Liedtiteln von Alexandra ein eindrucksvolles schwarz-weiß Porträt erstellt hat (das demnächst als Abzug zu einem im Vergleich zum Original noch erschwinglichen Preis erworben werden kann).

 

Carola Veit auf dem Alexandra-Stieg
Es folgte der Gang zum nahe gelegenen Alexandra-Stieg, wo Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit und Petra I. Beyerlein (SPD-Fraktion Hamburg-Mitte) die Enthüllung eines dritten Straßenschildes vornehmen wollten.
Aber, oh Schreck, die Rückseite war weg! Entweder ein Fan oder ein erboster Platzhüter hatte illegal die Enthüllung und das rückseitige Schild entfernt. Nichtsdestotrotz, die feierliche Einweihung wurde unter Teilnahme der Zuschauenden und der sich durchlawierenden Streckenradfahrer durchgeführt. Charmant und redegewandt – ohne Textvorlage - gab Carola Veit die notwendigen Erläuterungen für das Publikum.

Eine musikalische Beilage mit einer in der letzten Minute endlich erhaltenen Miniaturtonanlage war von Musikerin Larissa Pintora zu hören, die angesichts des vorbeiziehenden Elbkanals gefühlvoll auf der Gitarre das Lied "Am großen Strom" interpretierte.

Larissa Pintora singt auf dem Alexandra-Stieg

Für die Abendvorstellung im fantastischen Raum im Altenheim Billwerder Bucht mit Wasser-Ausblick und Terrasse hatte der Verein "Alexandra-Freunde" den Eintritt frei gemacht für weitere Interessierte und Fans. So kamen auch eine Reihe Bewohner/innen des Hauses, die bis spät in die Nacht dabei blieben.

Dachterrasse Billwerder BuchtAusblick auf die Billwerder Bucht

Das Konzert der fernsehbekannten Folklore-Sängerin Larissa Strogoff dauerte - mit etlichen Redeunterbrechungen von Zeitzeugen - bis kurz vor 23 Uhr, ein Mammutprogramm der Sängerin, die vom vereinsinternen Musiker Bernhard Carolus auf seinem gerade fertig gewordenen "Orgel-Keybord" begleitet wurde. Das beachtliche und mit Orgelpfeifen prächtig dekorierte Instrument nahm den gesamten Platz des in seinem Berlingo-Auto vorhandenen Raumes in Anspruch.

Mit dem vorgelesenen Grußwort des Vorsitzenden des Vereins, Dr. Michael Rasig, der wegen eines Kuraufenthalts viele hunderte Kilometer entfernt sein Bedauern ausdrückte, nicht bei dem "Konzert mit Gänsehauteffekt" dabei sein zu können, begann der wunderbare Abend: Jedes Lied aus dem Munde der Sängerin war ein Juwel und wurde mit viel Beifall honoriert. Larissa Strogoff ließ durch die Moderatorin des Abends, Vorstandsmitglied Barbara Beu, ausrichten, sie wolle keine "zweite Alexandra" sein, interpretiere jedoch sehr gern ihre Musik, so wie auch die von Adamo (eine Kostprobe davon hörten wir mit dem ausdrucksvoll vorgetragenen Lied "Inch Allah") und sehr gerne auch "echte" Zigeunermusik. "Ich bin eine Sängerin, die die Herzen der Menschen zu mehr Liebe, Mitgefühl und Tiefgründigkeit öffnen und bewegen will. Mir ist einzig die Botschaft und die Musik wichtig. Musik ist Schwingung, und damit kann man Herzen heilen... Und genau das braucht unsere Welt derzeit dringend!", so lautet ihre persönliche Motivation.

Larissa StrogoffLarissa Strogoff mit Bernhard Carolus


Das Konzert wurde von Zeit zu Zeit unterbrochen, um das Wort an einige mit Alexandra in Verbindung stehenden Personen zu geben:
So berichtete Zeitzeuge Uwe Otte von seinen damaligen Erlebnissen mit Alexandra auf der Hazy-Osterwald-Tournee, Horst Lessing, treues Familienmitglied (Alexandras Cousin), erzählte von einigen Begebenheiten bei seinen Besuchen bei Alexandra in Hamburg, und Marc Boettcher kündigte eine überarbeitete und ergänzte Wiederveröffentlichung der Alexandra-Biografie als Taschenbuch an und stellte sein derzeitiges Filmprojekt "Belina" vor.
Mit dem eingespielten Lied "Alexandra - wärst du heute hier", das im Originalton von Hans Blum (von ihm stammt der "Zigeunerjunge") angenehm aus dem Lautsprecher ertönte, endete der erste Teil des Abends.
Einen herzlichen Dank an alle Vortragenden, die den Abend mit ihren interessanten und berührenden Beiträgen bereichert haben!

Für die sitzfesten Fans gab es danach weitere Lieder von Larissa Strogoff, darunter auch einige aus ihrer eigenen Feder, wie zum Beispiel den eindrucksvollen Song "Der alte Mann", zu dem die Sängerin seine Entstehungsgeschichte erzählte. Barbara Beu rezitierte dann das Grußwort der allen Mitgliedern wärmstens bekannten Cousine Marleen Zaus, die leicht wehmütig und in poetischer Sprache ihre innere Verbundenheit mit den Menschen und Ereignissen des Abends ausdrückte. Ganz anders klangen dazu die Worte aus Boston in den USA, dem Lebensort des Sohnes Alexander, heute 56 Jahre alt. Er lobt und verehrt bis heute seine berühmte Mutter, die er ja nur ein paar Jahre seines Lebens gehabt hatte, und hebt ihre Bedeutung für das deutsche Liedgut, ihre erstaunliche Senkrecht-Karriere und die ausdrucksvolle menschliche Ausstrahlung hervor.

Für unsere Regionalgruppe Nord mit engagierten Vereinsmitgliedern aus Hamburg gab es im Vorfeld jede Menge organisatorischer, verhandlungsgeschicklicher und auch zwischenmenschlich nicht immer einfacher Arbeit zu leisten. Dazu allen Beteiligten fürs Durchhalten ein großer Dank vom Vorstand!

Ein letztes eindrückliches Highlight brachte der folgende Tag am Unfallort in Tellingstedt, etwa 100 km von Hamburg entfernt. Dorthin machten sich die noch vom Vorabend (bis spät in die Nacht...) leicht mitgenommenen Mitglieder und Fans von Alexandra auf. Da nicht genügend Autos vorhanden waren, fuhren einige mit dem Zug, darunter auch die Musikerin und Sängerin Larissa Pintora – und dies mitsamt der "Keybord-Anlage".

Eine halbe Stunde vor Beginn der Gedenkfeier kamen wir vor dem gut geschmückten Gedenkstein an, der später dann auch noch mit frischen Blumen, einer Vereins-Schleife und dem von Thomas Stoye mitgebrachten Elbe-Wasser und Erde vom Grab in München prächtig versehen wurde. Zuvor, beim Vorbeigehen am Gedenk-Holzkreuz am Unfallort, legte Vorstandsmitglied Barbara Beu ihre Blumen ab.

 Geschmückter Gedenkstein in Tellingstedt

Welch Erstaunen, die Zahl der herbeikommenden Gäste riss nicht ab – wir hatten diesmal im Vorfeld im Gemeindeanzeiger und in den Briefkästen der Anwohner kräftig Öffentlichkeitsarbeit betrieben - und so füllten bis zum Veranstaltungsbeginn 70 bis 80 Menschen den kleinen Platz. Ein großer Teil von ihnen stammte aus Tellingstedt selbst, so stark ist bis heute die Anteilnahme, die auch durch den vom Verein 2006 errichteten Platz mit Gedenkstein in Erinnerung gehalten wird. Ein Bewohner zeigte einen jetzt 50 Jahre alten Zeitungsausschnitt mit großem Bericht und Fotos über das schreckliche und heute noch erschütternde Ereignis des tödlichen Unfalls von Alexandra und über ihr kurzes Leben.

Der erste stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Wolfgang Rostek und stellvertretender Bürgermeister Manfred Dahl hielten ihre Ansprachen in Gedenken an die Künstlerin. Familienmitglied Horst Lessing berichtete bewegend über die damalige Beerdigung in ihrer wenige Monate zuvor gewählten neuen Heimat in München. Die Fans und natürlich auch die Familienmitglieder seien zahlreich von überall hergekommen.

Unter den Gästen der Gedenkfeier gab es weitere "VIPs" wie Altbürgermeister Helmut Meyer, Feuerwehrleute, ein Mitarbeiter der Leichenhalle und Ex-Polizist Horst Wieckhorst mit seiner Frau, der speziell vom Verein eingeladen worden war. Außerdem konnten wir das Ehepaar kennenlernen, das sich das ganze Jahr über immer wieder einmal des Platzes annimmt, der ansonsten sehr unansehnlich aussehen würde.
Großen Dank für die Teilnahme und das Engagement, besonders auch den Anwohnern der Gemeinde, die unseren so geliebten Star, die Sängerin mit der samt-dunklen, ausdrucksvollen Stimme nicht vergessen haben!

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