Gedenktreffen 2016 in Tellingstedt

Bericht: Jürgen Schlickeisen
Fotos: Copyright ©2016 Jürgen Schlickeisen, Werner Dechent, Dorothee Lotsch

Sonntag, 31.07.2016
Am Sonntagmorgen machte sich wiederum eine Reihe von Mitgliedern auf den Weg, um Alexandra an ihrem 47. Todestag an der damaligen Unfallstelle, wo heute der Gedenkstein steht, zu gedenken. Nach einer Fahrt bei meist grauem, trüben "Herbsthimmel" mit ergiebigem Regen (ganz anders als 1969 – dem damals heißesten Tag des Jahres) traf man sich gegen 12:30 Uhr im Gasthaus "Zur Traube" zunächst zum gemeinsamen Mittagessen.

Gasthaus "Zur Traube"

Dort wurden wir sehr freundlich und zuvorkommend bedient, und jeder fand ein leckeres Gericht auf der Speisekarte.

Beim gemeinsamen Mittagessen

Für die anwesenden Vegetarier unter uns war dort leider nichts aufgeführt – aber das Personal war sehr bemüht und fand für jeden eine Lösung, so dass letztendlich alle zufrieden und gesättigt das Lokal wieder verlassen konnten. Leider teilte uns die Wirtin mit, dass noch dieses Jahr das Restaurant geschlossen wird, aber sie informierte uns über eine gute Alternative im Ort.

Mittlerweile hatte es auch aufgehört zu regnen, worüber alle sehr erfreut waren, nicht zuletzt wegen des technischen Equipments für die musikalische Begleitung der Gedenkfeier, welches ansonsten den Aufbau des Zeltes erfordert hätte.
So begaben wir uns kurz vor 15:00 Uhr zum Gedenkstein, wo Barbara Beu mit dem Lied "La faute du monde entier" die Gedenkfeier eröffnete.
Der Gedenkstein war bereits geschmückt durch zahlreiche Blumensträuße, ein Blumenbouquet im Namen des Vereins und ein Portraitfoto unserer Künstlerin.
Barbara Beu singtGeschmückter Gedenkstein

Nun begrüßte Dorothee Lotsch alle Anwesenden, darunter auch wiederum unser Ehrenmitglied Horst Lessing mit seiner Frau, und Herrn Helmut Meyer, Bürgermeister von Tellingstedt!
Sie bedankte sich herzlich für das zahlreiche Erscheinen, zeige es doch unsere Verbundenheit mit Alexandra, auch 47 Jahre nach ihrem tragischen Unfall.

Begrüßung der Anwesenden

Ihr Leben, und nicht zu vergessen, ebenfalls das ihrer Mutter, wurden auf der Fahrt in den Urlaub durch diesen Schicksalsschlag plötzlich und unerwartet beendet, was bei Freunden und Fans in aller Welt große Trauer und Betroffenheit auslöste – ganz besonders natürlich in der Familie.
Alexander, der den Unfall wie durch ein Wunder überlebte, verlor damals Mutter und Großmutter zugleich.
Alexandras hoffnungsvolle Karriere endete mit einem Schlag, man würde sie nie wieder auf der Bühne sehen oder neue Werke von ihr hören.
Die Erinnerung an dieses schreckliche Ereignis hat sich bei allen, die damals schon alt genug waren, fest ins Gedächtnis eingebrannt, fast jeder kann sich noch genau erinnern, was er damals tat, als er von dem Unfall erfuhr.
Dorothee Lotsch würdigte Alexandras Leben, ihre unvergleichliche Musikalität, ihre geniale Schöpfungskraft und ihren unbändigen Willen. Die Grundlagen, auf denen Werke entstanden, die sie zu einer Legende machten.
Wir, die Mitglieder des Alexandra-Freunde e.V., verdanken ihr ebenfalls unser Kennenlernen; Menschen aus allen Schichten von jung bis alt, die sich mit Alexandra verbunden fühlen, und die oft darüber hinausgehend noch ganz andere gemeinsame Interessen entdeckten und zu Freunden wurden.
Nachdem Dorothee Lotsch ihre Rede beendet hatte, ging sie zu einem musikalischen Beitrag über und präsentierte sehr gefühlvoll das Lied "Erstes Morgenrot", dem alle bewegt zuhörten, bevor sie das Mikrofon weiterreichte an Horst Lessing.

Horst Lessing

Er berichtete zunächst, wie er damals von dem Unfall erfahren hatte.
Er wurde damals nach der Todesmeldung in der Tagesschau zu seinen Nachbarn gerufen (er selbst besaß weder Fernseher noch Telefon), wo er von seinem Bruder, dessen Stimme durch den Schock so verändert war, dass er sie kaum erkennen konnte, über das tragische Unglück informiert wurde.
Nun fuhr er fort mit den Erkenntnissen, die er später über die dem Unfall vorausgegangenen Ereignisse erhielt: Gut gemeinte Ratschläge eines Tankwartes, der ihr die Strecke über Tellingstedt empfohlen hatte, um dem starken Feierabendverkehr auszuweichen und rechtzeitig den Autozug nach Sylt erreichen zu können, was dann tragischerweise zu ihrem tödlichen Schicksal wurde.
Später habe er selbst die Strecke abgefahren und dabei die "Todeskreuzung" als sehr unübersichtlich empfunden.
Sichtlich bewegt beendete er seine Rede mit dem Ausdruck der tiefen Trauer darüber, dass weder er noch seine Familie noch Alexandras Freunde und Fans weiter an ihrem Leben teilhaben konnten, und verglich die hier Anwesenden mit der Spitze eines Eisberges: Die wenigen sichtbaren Teilnehmer, hinter denen sich eine vielfach größere Anzahl an treuen Anhängern befinde, die Alexandra und ihre Musikkultur weiterhin pflegen und lebendig halten.
Er bedankte sich von ganzem Herzen für diese Anteilnahme und wünschte allen eine gute und sichere Heimreise.

Seine Rede ließ sichtlich niemanden ungerührt; und Worte können kaum die Stimmung von Verbundenheit und Trauer beschreiben, die deutlich spürbar war und in diesem Moment alle Anwesenden ergriff und vereinte.

Barbara Beu ergriff nun wieder das Mikrofon und überraschte uns mit einer Premiere:
Sie trug das Lied "Mein Kind schlaf ein" in einer französischen Version vor, sehr gefühlvoll und melancholisch, und genau in die momentane allgemeine Stimmung passend.

2016 07 31 042Als nächster Redner trat nun der Bürgermeister Tellingstedts, Herr Helmut Meyer, vor die Runde.
Er drückte zunächst seine Bewunderung dafür aus, dass so viele Teilnehmer erschienen waren, die die Mühen einer sehr langen Anreise auf sich genommen haben, um Alexandra hier an ihrem Sterbeort nah sein zu können. Diesem Ort, der nun auf schicksalhafte Art mit ihr verbunden ist.
Sein Dank gebühre dem Verein für die Aufstellung des Gedenksteins, um die Erinnerung an diese außergewöhnliche Persönlichkeit wachzuhalten.
Diese Erinnerung, die sich auch bei vielen Tellingstedtern tief ins Gedächtnis gebrannt habe; einige würden noch heute Zeitungsberichte des damaligen schrecklichen Ereignisses in der Schublade aufbewahrt halten.
Auch Helmut Meyer spricht von Alexandra als einer außergewöhnlichen Sängerin und drückt seine Anerkennung aus dafür, dass der Verein sie und ihre Lieder weiterleben lässt und das Andenken an eine wunderbare Künstlerin wachhält.
Er selbst habe damals noch nicht in Tellingstedt gewohnt, könne sich aber an ihre Lieder erinnern, die damals noch vom Plattenspieler ertönten.
Von ihrem Tod habe er aus der Zeitung erfahren, und als er Jahre später hier Bürgermeister wurde, wurde er natürlich wieder in besonderem Maße an die Geschehnisse im Jahre 1969 erinnert.
Er bedankte sich ausdrücklich für das Engagement des Vereins und wünschte ebenfalls allen eine ruhige und sichere Heimfahrt. Im separaten Gespräch äußerte er die Hoffung auf ein gemeinsames Wiedersehen zum 50. Todestag von Alexandra an diesem für alle traurigen Ort.

Wir haben uns sehr gefreut, und fühlen uns geehrt, dass Herr Helmut Meyer sich die Zeit genommen hat, zu unserer Veranstaltung zu kommen und sie mit bewegenden Worten begleitet hat!

Während Dorothee Lotsch nun abschließend in bekannt gefühlvoller und würdiger Art "Was ist das Ziel" vortrug und dabei von Thomas Stoye und Johanna Ernst einen Blumenstrauß überreicht bekam, erwiesen Horst Lessing und Helmut Meyer Alexandra noch einmal die Ehre, arrangierten das Blumenbouquet am Gedenkstein, und die neuen Ehrennadelträger des Vereins, Thomas Stoye und meine Wenigkeit, verteilten Erde um den Gedenkstein herum, die Dorothee Lotsch aus München von Alexandras Grab mitgebracht hatte, um Alexandra auch hier einen Teil ihrer "zweiten Heimat" darzubringen.

 Thomas Stoye am Gedenkstein

Jürgen Schlickeisen am Gedenkstein

Den abschließenden Teil der Gedenkzeremonie bildete nun das Telefonat nach München.
Dort, an der Grabstätte Alexandras und ihrer Eltern, hatte sich ebenfalls eine Gruppe Andenkender versammelt; Werner Dechent telefonierte mit Georg Reindl, und es wurden wechselseitig Grüße an alle Anwesenden hier und dort übermittelt.

Wer mochte, konnte sich nun noch an einem Schluck "Eckes Edelkirsch" erfreuen (angeblich eines von Alexandras Lieblingsgetränken), und damit endete nun die bewegende und gelungene Veranstaltung, und auch die schönen und ereignisreichen Tage, die wir bei dem diesjährigen Treffen zusammen verbracht hatten und die uns sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben werden.

Gruppenfoto

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